Die wichtigsten Argumente

  • Die Betroffenen sind gegen die Generalistik!
    Mehr und mehr formiert sich der Widerstand in allen Bereichen der Pflege. Vor allem die Altenpfleger/-innen und die Kinderkrankenpfleger/-innen fürchten um ihren Beruf. Sie wollen keine Generalistik, sondern eine fundierte Ausbildung in ihrem speziellen Bereich. Auch die überwiegende Mehrheit der Wohlfahrtseinrichtungen unterstützt die generalistische Ausbildung nicht. Während sich ihre Bundesverbände in der Diskussion zurückhalten, sind laut aktuellem Altenpflegebarometer fast 80 Prozent der Heimleiter in Wohlfahrts-Pflegeeinrichtungen gegen die Generalistik – sie fürchten zu Recht um das Niveau der Fachkräfte.
  • Das Vorhaben vernichtet Ausbildungsplätze und reduziert die Zahl der Auszubildenden!
    Durch den neuen Pflegeberuf soll die Attraktivität des Berufsfeldes erhöht werden. Wie das geschehen soll und wie das mit dem Umstand in Einklang zu bringen ist, dass es auch in Ländern mit einer einheitlichen Ausbildung einen Fachkräftemangel gibt, wird nicht näher erläutert. Tatsache ist aber, dass sich Auszubildende der Alten- und der Kinderkrankenpflege in Deutschland bewusst für diesen speziellen Beruf entschieden haben. In der Kinderkrankenpflege lehnen die Auszubildenden zu über 90 Prozent eine generalistische Ausbildung ab. So haben folgerichtig rund 160.000 Pflegende Anfang dieses Jahres die Petition zum Erhalt der Kinderkrankenpflegeausbildung unterstützt.
    Statt von einer erhofften Steigerung der Ausbildungszahlen ist von einer deutlichen Abnahme der Anzahl der Auszubildenden auszugehen. Die unterstellte Attraktivitätssteigerung ist nicht gegeben. Es ließen sich noch viele weitere Aspekte darstellen, die zu einem Verlust an Auszubildenden führen können: die Steigerung der Komplexität sowie der fachlichen Ansprüche der Ausbildung, die Einschränkung der wohnortnahen Ausbildung durch eine Vielzahl an Praktika in anderen wohnortfernen Institutionen und der Rückzug kleiner Pflegeheime und ambulanter Dienste aus der Ausbildung, da sich die Zeit der Auszubildenden in den Einrichtungen um die Hälfte reduziert, während die organisatorischen Anforderungen in erheblichem Maß steigen.
  • Die Gesetzgeber schaffen einen neuen Pflegeberuf und lassen die Ausbildungsinhalte offen!
    Weiterhin sind weder die Ausbildungsinhalte noch die Abläufe klar und umfassend dargelegt. Die zwischenzeitlich vorgelegten Eckpunkte der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung bieten keine Grundlage für eine Beurteilung der tatsächlichen Ausbildungsinhalte. Damit ist auch keine Einschätzung möglich, inwieweit den Belangen der Altenpflege entsprochen wird. Ein Gesetz über einen neuen Pflegeberuf kann aber unmöglich verabschiedet werden, ohne dass dessen inhaltliche Ausgestaltung bekannt und konsentiert ist. Dies war in der gesamten Diskussion stets zugesichert worden und wird jetzt nicht eingehalten. Die zentralen Regelungsbestandteile zum neuen Pflegeberuf sollen damit weiterhin erst nach Verabschiedung des Gesetzes per Rechtsverordnung, ohne weitere Einflussnahme des Parlaments, erlassen werden.
  • Nach der Ausbildung sind die Fachkräfte nicht fit für den Beruf
    Unser Bündnis hält es weiterhin für ausgeschlossen, den Auszubildenden im Rahmen einer dreijährigen generalistischen Vollzeitausbildung das Wissen beizubringen, das fachlich geboten ist, um nach Abschluss der Ausbildung berufsfähig zu sein. Hierzu müssten die spezifischen Kenntnisse der jeweiligen Schwerpunkte Kinderkrankenpflege, Krankenpflege und Altenpflege ausreichend und vor allem gleichberechtigt vermittelt werden. Behauptungen, die Ausbildungsinhalte aus den drei jetzigen Pflegeausbildungen würden sich zu 70 bis 90 Prozent überschneiden, sind falsch und negieren die in den Lern- und Arbeitsfeldern situationstypischen Gegebenheiten. Ohne Kenntnis der Ausbildungsinhalte lässt sich zum heutigen Zeitpunkt somit überhaupt nichts einschätzen. Damit droht als Folgerisiko eine eingeschränkte Berufsfähigkeit nach der Ausbildung!
    Wenn der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Fassung beschlossen wird, werden die Betriebe die Fachkräfte nach ihrem Examen bis zu einem Jahr nachqualifizieren müssen, um ihre vollständige Berufsfähigkeit zu erreichen. Dies ist nicht hinnehmbar. Die Kosten für diese Qualifizierungsmaßnahme(n) sind nicht berücksichtigt. Der Bereich der Kinderkrankenpflege geht hierzu von jährlichen Mehrkosten in Höhe von 120 Millionen Euro aus. Wie eine berufsbegleitende Ausbildung umgesetzt werden soll, ist zudem überhaupt nicht erkennbar.